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Angela Merkel: Bundeskanzlerin beklagt fehlendes Wissen über Christentum

Christen kennen ihre Religion zu wenig, findet Merkel und fordert mehr Selbstbewusstsein. Eine Islamisierung sieht sie nicht und distanziert sich erneut von Pegida.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an die Christen in Deutschland gewandt. In der Freitagsausgabe der Zeitung fordert sie, sich mehr mit dem Christentum auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig betont die CDU-Vorsitzende, dass keine Gefahr einer Islamisierung in Deutschland bestehe. “Ich sehe eher für Christen die Notwendigkeit, noch mehr und selbstbewusst über ihre christlichen Werte zu sprechen und ihre eigenen Kenntnisse ihrer Religion zu vertiefen.”

Durch die fortschreitende Säkularisierung in Deutschland ließe das Wissen über die christliche Religion immer mehr zu wünschen übrig. Die heutige Werteordnung und das Verhältnis von Staat und Glauben hätten sich auf dem Fundament einer christlich-jüdischen Tradition entwickelt.

“Jeder sollte sich selbst fragen, was er zur Stärkung der eigenen Identität, zu der bei der Mehrheit immer auch noch die christliche Religion gehört, tun kann”, mahnte Merkel. Sie sagte zugleich: “Das ist aber keine klassische Aufgabe für die Politik.” Im Wesentlichen seien hier Kirchen und vor allem die Gläubigen gefordert. Die Politik könne nur Rahmenbedingungen schaffen, etwa den Religionsunterricht, den sie sehr unterstütze.

Zu den Anschlägen von Islamisten in Paris sagte Merkel, dieser Bedrohung müsse durch eine noch engere internationale Zusammenarbeit entgegengetreten werden. Auch die deutschen Sicherheitsbehörden täten alles, um einen Vorfall wie in Frankreich zu verhindern. “Völlig ausschließen können wir einen solchen Anschlag aber auch in Deutschland nicht”, räumte die Kanzlerin ein.

 

Erneute Kritik an Pegida 

Zugleich erneuerte Merkel ihre Kritik an den Pegida-Demonstrationen in Dresden. “Ich muss verstehen, was die Sorgen sind, aber ich muss nicht Verständnis für jede Form von Demonstration haben”, sagte sie. Die Organisatoren bewegten auch Vorurteile, Kälte und teilweise Hass. Deshalb sollten sich die Menschen nicht von den Organisationen instrumentalisieren lassen. Die antiislamischen Proteste der “Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” hatten in Dresden stetig Zulauf bekommen, am Montag waren 25.000 Menschen in Dresden auf die Straße gegangen.

Die Bundeskanzlerin hatte in der Islamdebatte zuletzt ungewöhnlich deutliche Worte gefunden. Bei einem Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu sagte sie in Erinnerung an eine Äußerung des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU): “Der Islam gehört zu Deutschland – und das ist so, dieser Meinung bin ich auch.” Einige CSU-Politiker distanzierten sich daraufhin von Merkels Aussage.

Unabhängig vom Gegenwind aus der Schwesterpartei verurteilte die Bundeskanzlerin in ihrer Regierungserklärung die Terroranschläge von Frankreich scharf und nahm Muslime in Deutschland gegen Schuldzuweisungen in Schutz.

 

Quelle: zeit.de

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