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Sie wollten nicht wegschauen

Sie wollen nicht wegschauen

Syrisch-orthodoxe Jugendliche setzen sich für verfolgte Christen ein. Im Nahen Osten müssen die Angehörigen ihres Volkes auch heute noch um ihr Leben fürchten

Es ist für die knapp tausend jungen Leute ein ganz besonderer Moment. Als ihre Bischöfe in die St.-Maria-Kirche in Lechhausen eintreten und durch den Mittelgang nach vorne schreiten, werden sie mit Jubel empfangen. Der Chor der St.-Maria-Kirche stimmt ein Lied an, viele entzünden Kerzen. Die Sokad, der Jugendverband der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland, hatte zum „Convention Day VI“ nach Augsburg, in die syrisch-orthodoxe Kirche St. Maria in die Zusamstraße geladen. Aus ganz Deutschland und auch aus angrenzenden Nachbarländern sind die jungen Leute gekommen.

Vor zweieinhalb Jahren hatte der Bischof der syrisch-orthodoxen Erzdiözese Deutschlands, Mor Philoxenus Mattias Nayis, diese bundesdeutschen Treffen ins Leben gerufen, um die Bindung zwischen Jugend und Kirche zu festigen. Auch in Augsburg war Erzbischof Mor Philoxenus Mattias Nayis als Gastgeber anwesend, begleitet von weiteren Bischöfen aus dem Libanon und aus den Niederlanden.

Themenschwerpunkt dieses Treffens, in dessen Mittelpunkt drei Vorträge der Bischöfe standen, war die Erinnerung an den Genozid an den syrisch-orthodoxen Christen und Armeniern im Jahr 1915 im damaligen Osmanischen Reich. Bis heute werden die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern, darunter auch syrisch-orthodoxe Christen, noch nicht von allen Ländern als Genozid und damit als Völkermord anerkannt. „Diese Ereignisse müssen aufgearbeitet werden, sie sind Teil unserer Kultur“, sagt Tigris Demir (28), die wie viele andere junge Frauen und Männer an diesem Nachmittag zur St.-Maria-Kirche gekommen ist. „Es ist einfach traurig“, meint Noa Cicek (16), wenn sie an die Verfolgung von Christen heute im Nahen Osten, insbesondere im Irak und in Syrien durch die IS, denkt. „Wir dürfen bei diesem Thema nicht wegschauen!“ Ihre Schwester Sibora Cicek (18) erinnert vor allem an die vielen Frauen und Mädchen im Nahen Osten, die heute versklavt werden. „Nein, so geht das nicht weiter!“, meint sie.

„Was heute bei uns geschieht, ist ein wichtiges Ereignis“, erläutert Elisabeth Aydin vom Bundesvorstand der Sukad dieses Jugendtreffen. Dabei gehe es nicht nur darum, sich über den Genozid an den syrisch-orthodoxen Christen und Armeniern im Jahr 1915 und über die Christenverfolgung heute zu informieren. Darüber hinaus seien die jungen Leute und ihre Familien dazu aufgerufen, für die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten zu spenden. „Das Gemeinschaftliche ist uns sehr wichtig“, versichert Elisabeth Aydin. So wie bei diesem Fest die Speisen miteinander geteilt werden, zeige man auch Solidarität mit den Christen, die heute unterdrückt und verfolgt werden.

Ein weiterer Höhepunkt erwartete die Gäste dieses Convention Day: Feierlich enthüllt wurde ein hundert Jahre altes Gewand – das Gewand des Erzbischofs Antimos Jakob, der beim Völkermord 1915 umgebracht wurde. Das Gewand war verkauft und zufällig entdeckt worden. „Für uns ist das wie eine Reliquie“, erläutert Elisabeth Aydin. Dieses Gewand des getöteten Bischofs ist eine Leihgabe des St. Jakob Klosters in Warburg (Westfalen), dem Sitz des Erzbischofs der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland.

Quelle: augsburger-allgemeine.de

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